Entgegen der weitläufigen Meinung muss man kein Experte sein, um mit dem Investieren anzufangen. Man muss noch nicht einmal reich sein.

Trotzdem scheitern viele von uns daran, die Kontrolle über ihr Geld zu übernehmen, weil sie zu eingeschüchtert sind oder nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Investieren ist allerdings äußerst wichtig. Durch die Inflation verliert euer Geld Jahr für Jahr an Wert. Gute Investitionen sind ein Weg, um das Rennen gegen den sinkenden Wert zu gewinnen und euer Geld zu vermehren. 

Investieren kann sehr viele verschiedene Formen annehmen — von der Einzahlung in eine private Rentenversicherung bis zum Aktienkauf und Investieren in Kapitalanlagefonds — und es liegt an euch, zu entscheiden, worin ihr euer Geld anlegen möchtet.

Um euch beim Einstieg zu helfen, haben wir zwölf Grundregeln zusammengetragen, die ihr beachten solltet.

Investieren bedeutet immer auch ein Risiko.

Investieren bedeutet immer auch ein Risiko.

Wenn überhaupt, dann sind nur sehr wenige Dinge beim Investieren garantiert.

Ihr könntet Geld verdienen oder verlieren. Wenn ihr also schnell Zugang zu mehr Geld benötigt, solltet ihr kein Investment riskieren. Einige Experten sagen, man sollte Geld, das man in den nächsten fünf Jahren benötigt, nicht investieren, da man bei Marktturbulenzen mit hohen Verlusten nicht genügend Zeit hat, das verlorene Geld wieder reinzuholen.

Ihr müsst kein Experte sein, um zu investieren.

Bietet euer Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge an, ist dies der einfachste Startpunkt für euer Investmentvorhaben. Auch private Altersvorsorgen solltet ihr in Betracht ziehen, bevor ihr euch anschließend nach anderen Anlageformen umsehen könnt.

Ich müsst aber nicht alles alleine machen. Es gibt Finanzplaner, Vermögensberater und Robo-Advisor. Unter letzterem versteht man die automatisierte Anlageberatung im Internet — später dazu noch mehr.

Außerdem gibt es beinahe unbegrenzt verfügbare Informationen, die euch zu einem besseren Investor machen. Werft auch mal einem Blick auf unsere Bücher- und Podcasttipps, die euch Grundlagen, Strategien und Tipps zum Investieren vermitteln.

Früh anfangen ist ein bedeutender Vorteil.

Früh anfangen ist ein bedeutender Vorteil.

Insbesondere in euren Zwanzigern ist Zeit euer größtes Kapital. Für nahezu jede Art von Investments — den Altersvorsorgeplan eingeschlossen — schlägt nichts den Zinseszins. Außerdem habt ihr im Falle eines Verlusts mehr Zeit, Geld zurückzugewinnen, bevor ihr es braucht.

Andererseits ist die Aussage „es ist zu spät, um mit dem Investieren anzufangen“ keine gute Ausrede, um euer Geld unter dem Kopfkissen zu horten. Es ist immer noch besser, spät anzufangen, als nie — jedenfalls solange ihr dann nicht versucht, die verlorene Zeit durch unnötig hohe Risiken wieder hereinzuholen.

So gut wie bei jedem anderen Aspekt eurer persönlichen Finanzen solltet ihr nicht auf das Investieren setzen, um schnell reich zu werden. 

Vor allem anderen braucht ihr ein Ziel.

Warum investiert ihr? Was sind eure Absichten? Was ist euer Anlageziel?

„Fangt am Ende an. Wisst genau, was euer Ziel beim Investieren ist,“ sagt Tom White, CEO des Anbieters von automatisierten und personalisierten Finanzplänen iQuantifi.

Sobald euch euer Ziel klar ist — sparen für ein Eigenheim, die Ausbildung eurer Kinder, einen Urlaub oder die Rente — legt sich der Zeitraum mehr oder weniger von selbst fest und ihr könnt ausknobeln, wie ihr euer Geld anlegt.

Man investiert unterschiedlich, abhängig von der Zeit, die man zur Verfügung hat.

Man investiert unterschiedlich, abhängig von der Zeit, die man zur Verfügung hat.

Euer Zeithorizont entspricht der Anzahl an Jahren zwischen jetzt und dem Zeitpunkt, an dem ihr das angelegte Geld benötigt. Nachdem ihr euch euer Ziel klargemacht habt, sollte er offensichtlich sein.

Sobald der Zeithorizont feststeht, werdet ihr eine bessere Idee davon haben, worin ihr euer Geld investieren solltet und ihr könnt euch eine Strategie erarbeiten. Generell gilt: Je mehr Zeit ihr habt, bevor ihr das Geld benötigt, desto mehr Risiko könnt ihr eingehen.

„Grundsätzlich gibt es drei Typen von Vermögensarten: flüssige Mittel, Rentenpapiere (Anleihen) und Beteiligungspapiere (Aktien),“ erklärt Tom White. „Und jeder dieser drei Typen hat seine eigene Größenordnung, in der die zu erwartenden Renditen über einen Zeitraum liegen.“

Das Verständnis der unterschiedlichen Renditen wird euch dabei helfen, zu entscheiden, wie ihr investiert.

Wie auch immer euer zeitlicher Rahmen aussieht, solltet ihr ein diversifiziertes Portfolio an Investments aufrechterhalten — dazu gleich mehr. Die folgenden Zeitrahmen geben euch aber zunächst eine Idee, wann ihr in welchen Bereich investieren solltet:

Wenn ihr das Geld in 0 bis 2 Jahren benötigt:

Die erste Klasse von Vermögensarten, liquide Mittel, hat verschiedene Unterkategorien: Sparbücher, Einlagenzertifikate und Tagesgeldkonten. Liquide Mittel haben typischerweise eine niedrige Rendite, sind dafür aber wertstabil. Von daher sind sie die beste Option, wenn ihr das Geld bereits in kurzer Zeit benötigen solltet, sagt White.

Wenn ihr das Geld in 2 bis 5 Jahren benötigt:

„Über eine bestimmte Zeitspanne liefern Anleihen Renditen im Bereich zwischen drei und acht Prozent“, erklärt White. „Will man ein Ziel in zwei bis fünf Jahren erreichen, sind Rentenpapiere am besten geeignet, da sie stabiler sind als Aktien, aber dennoch mehr Wertzuwachs als flüssige Mittel bieten. Ihr Wert wird schwanken, aber in einem kleineren Rahmen, als dies bei Aktien der Fall ist.“

Wenn ihr das Geld in 5 oder mehr Jahren benötigt:

Für jedes Ziel, das mehr als fünf Jahre vor euch liegt, könnt ihr den Anteil, den Aktien in eurem Portfolio einnehmen, vergrößern. Sie werden schlussendlich am ehesten die Inflationsraten hinter sich lassen und euch den größten Wertzuwachs sichern.

„Ihr solltet euch auf Schwankungen einstellen,“ erwähnt White. „Beteiligungspapiere haben eine sehr große Renditenspanne, von minus 38 Prozent in der Finanzkrise 2008 bis zu 30 oder mehr Prozent in 2009 und 2010. Aber über einen langen Zeitraum von 70 oder 80 Jahren haben Aktien zuverlässig eine Rendite von etwa acht Prozent generiert.“

All euer Geld an einer Stelle zu investieren, schreit nach Ärger.

Wie bereits erwähnt, solltet ihr eure Anlagen diversifizieren.

Diversifizierung bedeutet, dass ihr euer Geld auf verschiedene Investments streut. Während es viele verschiedene Meinungen darüber gibt, wie breit ein Portfolio aufgestellt sein sollte, sind sich nahezu alle darüber einig, dass ein einziges Investment all eures Geldes an einer Stelle einem Disaster gleichkommt.

„Man sollte sich den Aufbau eines kompletten, weltweit gestreuten Portfolios aus Aktien und Anleihen überlegen, das zur individuellen Risikobereitschaft passt,“ schrieb der Anlagenberater Jonathan DeYoe im Business Insider. „Es ist einfach, Anlagemanager, Investmentfonds und börsengehandelte Indexfonds zu finden, die die Performance der beinhalteten Aktien aus der ganzen Welt wiederspiegeln, sowie breit gestreute, globale Anleiheindizes aufzuspüren.“

Ihr werdet Gebühren bezahlen müssen, egal wie ihr investiert.

Ihr werdet Gebühren bezahlen müssen, egal wie ihr investiert.

Investieren ist nicht umsonst. Arbeitet ihr mit einem professionellen Investmentberater zusammen, zahlt ihr diesen entweder prozentual zu eurem Portfolio oder mit einer Pauschalgebühr aus — welche Gebühren wofür auf euch zukommen, solltet ihr natürlich überprüfen, bevor ihr einen Vertrag unterschreibt.

Die Online-Investmentplattformen, sogenannte Robo-Advisor wie Personal Capital, Betterment und Wealthfront, haben ihre eigenen Gebührenstrukturen — abhängig von der Höhe eures eingesetzten Kapitals wird eine bestimmte Prozentrate pro Jahr fällig.

Die Kosten für Investmentfonds und börsennotierte Indexfonds, sogenannte Exchange Trade Fonds (kurz: ETF), setzen sich in der Regel aus Grundkostensätzen im Bereich von 0,2 bis 2 Prozent und Aufschlägen als Transaktionsgebühren zusammen. Einige Investmentsfonds kommen auch ohne diese Aufschläge aus.

Die beiden amerikanischen Investment-Päpste Warren Buffett und John C. Bogle empfehlen das Investieren in die vergleichsweise kostengünstigen börsennotierten Indexfonds. Diese sind eine Art Investmentfonds, die an einen spezifischen Marktindex gekoppelt sind und damit die Performance der im Index enthaltenen Aktien wiederspiegeln. Das Ganze allerdings zu geringeren Gebühren als herkömmliche Investmentfonds, da kein Fondsmanager bezahlt werden muss. Warren Buffet empfiehlt beispielsweise Fonds, die an die Entwicklung des amerikanischen S&P 500 gebunden sind.

Ihr müsst auf eure Erträge Steuern zahlen.

Steuern können einen großen Einfluss auf eure Anlagen haben. 

Sobald ihr ordentliche Renditen einfahrt, müsst ihr für diese Gewinne wiederum auch Steuern entrichten. Als Einzelperson könnt ihr euch in Deutschland für Kapitalerträge bis zu 801 Euro von der Steuerpflicht freistellen lassen. Alle darüber hinausgehenden Erträge werden dann mit einem Kapitalertragssteuersatz von 25 Prozent beaufschlagt. Dazu kommen noch Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer.

Ihr habt die Option, über Robo-Advisor zu investieren.

Ihr habt die Option, über Robo-Advisor zu investieren.

Wir haben sie bereits kurz erwähnt: Robo-Advisor. Es handelt sich dabei um relativ neue Online-Plattformen, die sich das mühelose Investieren auf die Fahnen geschrieben haben. Eure Investments werden dabei über einzigartige Algorithmen geregelt. Ihr müsst lediglich noch einen Account anlegen und euer Geld dort ablegen. Der Robo-Advisor kümmert sich dann selbstständig um ein diversifiziertes Portfolio, das auch immer wieder neu strukturiert wird.

Die Gebühren hängen von der Plattform und dem eingesetzten Kapital ab, sind aber generell niedriger als ein echter Anlageberater. Die Option der Robo-Advisor passt am besten zu Menschen, deren aktuelle finanzielle Situation unproblematisch ist und die auf professionelle Expertise bei ihren Anlagen nicht verzichten wollen, aber auch keinen Investment- oder Finanzberater engagieren möchten.

Es wird emotional.

Wenn es ums Geld geht, sind unsere Entscheidungen häufig getrieben von Angst, Gier und Nervosität. Diese Emotionen führen uns ständig in Versuchung, unsere Investments hin und herzuschieben, weil wir unser Portfolio sicherer machen wollen. Das kann letztendlich aber selbst das gesündeste Investmentportfolio zerstören.

Häufig ist das Beste, was man seinen Anlagen tun kann, sie einfach allein zu lassen.

„Man sollte das impulsive Verkaufen einer Anlage, die sich nicht wie erwünscht entwickelt, vermeiden und die Sache mit einem breit aufgestellten Portfolio, das die unvermeidlichen Höhen und Tiefen des Marktes übersteht, durchstehen,“ rät die Finanzplanerin Shelly-Ann Eweka.

Um den Langzeitfokus zu bewahren, solltet ihr der Verlockung widerstehen, die Aktienkurse oder euer Portfolio täglich oder wöchentlich zu checken. Aktienmärkte steigen und fallen jeden Tag, wie auch die Aktien selbst — sind eure Investments auf lange Zeit angelegt, solltet ihr euch nicht der Beunruhigung durch kontinuierliche Updates hingeben.

Ihr könnt euer Geld nicht einfach anlegen und euch dann nie mehr darum kümmern.

Ihr könnt euer Geld nicht einfach anlegen und euch dann nie mehr darum kümmern.

Es ist richtig, dass man seine Finger von dem angelegten Geld lässt — aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit und manchmal stehen auch große Umbrüche im Leben an, die eine Anpassung der Finanzplanung erfordern. Zum Beispiel erwartet ihr ein Kind, fangt einen neuen Job an oder verliert euren bisherigen, oder ihr entscheidet, euch frühzeitig zur Ruhe zu setzen. 

In solchen Fällen solltet ihr euren Zeithorizont neu anpassen und das Risiko, das ihr bereit seid, mit eurem Portfolio einzugehen, neu bestimmen.  


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